Comment: Why Germans Are Afraid of Google

There has been an interesting article in the NYT: Why Germans Are Afraid of Google. All in all, it mentions important points but the argumentation could be a bit more elaborate. [All quotes are taken from the article linked above].

And truth be told, Germany is not a great place to be a big tech company these days.

Yep, I agree. But it’s not because of regulations etc. but rather because of the lack of infrastracture: Want to get fiber somewhere? Good luck.

Google is often spoken of in dark terms around cafes and biergartens.

Maybe in Berlin-Kreuzberg but that’s an overstatement. And if you need the symbol of biergartens to evoke mental associations with Germany: bad choice.

Even a figure as dominant in the global economy as Mathias Döpfner, the chief executive of Springer, Germany’s largest publishing house, said he was “afraid of Google.”

Yes he is. Because together with some other publication houses, Springer initiiated the Leistungsschutzrecht, a reactionary law passed by a lulled Bundestag that aims to compensate the company’s incompetency in adapting a new business model on the Internet.

On the other hand, the force of anarchy makes Germans (and many other Europeans) shudder, and rightfully so. It’s a challenge to our deeply ingrained faith in the state. […]
The German voter-consumer will always trust the state more than he will any private company, no matter how ardently it insists on being a good guy.

Faith in the state? Please don’t generalize.

I think there’s a slight majority of particularly elder people blindly trusting the state because it seemingly protected them from Communism back in the days. They use the Internet mostly for work or private life-management (online banking, taxes, etc). Many don’t understand the enormous disruption driven by the Internet.

Then there are the so called digital natives. These are the ones that are lobbying for net-neutrality, privacy and decentralization right now. They are only a tiny percentage of their age group but they have a strong influence in politics, e.g. the Chaos Computer Club, Digitale Gesellschaft e.V. et al.

Finally, there are the adolescents of today: people from twelve to early twenty. The older ones of this age group might have grown up with an Internet that was open and just beginning to lock down. The younger ones never experienced something else: American services dominate the usage-time and make money personal data and the lock-in effect of their cloud platforms. Most people of this generation blindly trust these companies and many of them are apolitical.

When problems appear, we look to “Vater Staat” — the Father State — to protect us.

See above.

Indeed, the reason politicians like Mr. Gabriel — who has said “we must tame Silicon Valley capitalism”— go after Amazon and Uber is that it is a surefire way to get votes. Even politicians who are normally pro-deregulation, like Mr. Oettinger, know it’s smart to come down hard on tech companies.

If it wants to succeed here, Silicon Valley needs to comply with the particularities of the German and European market. We love technology, but we want it delivered on our terms. In Germany, cowboys should remain in the movies.

Agreed.

2014 und das ist alles?

Ich hatte in letzter Zeit etwas zusammenhängende Lek- und Videotüre.

Ego

Angefangen hat es mit einem Eintrag in meiner Leseliste: Frank Schirrmachers Ego fand sich dort schon seit dem Erscheinen der Folge von Alternativlos, in der Autor zu Gast war. Der Tod des ehemaligen Chefredakteurs der FAZ versetzte mir den nötigen Impuls, Ego endlich zu lesen.

Schirrmacher beschäftigt sich mit der Spieltheorie – ein im Kalten Krieg entwickeltes Konzept, das auf purem Egoismus basiert und unseren Alltag, Denken und Handeln beeinflusst sowie Schritt für Schritt bestimmt.

Der Kontext der Finanzkrise seit 2008 ist klar erkennbar – das Buch beschreibt die Implementierung der Spieltheorie in der Finanzwelt und darauf folgend in der modernen Informations- und Werbeindustrie.
Der Autor beendet sein Werk mit einem Pamphlet über den Ausbruch aus einer von egoistischen Agenten (Algorithmen) bestimmten Welt.

Ich bin mir nicht sicher, was ich vom Gesamtbild Frank Schirrmacher halten soll – mit Ego trifft er meine Meinung jedoch ziemlich auf den Punkt. Nochmals sollte der Auftritt in Alternativlos erwähnt werden: Schirrmacher beweist Sachkompetenz und steht hinter den im Buch festgehaltenen Forderungen.

We Lost the War

Nachfolgend stöberte ich in meinem Link-Archiv und fand den Talk “We Lost the War” (22C3) von Frank Rieger und Rop Gonggrijp.

Neben den heute allgegenwärtigen Repressalien aus netzpolitischer Sicht werden auch weiter weltpolitisch bedeutsame Änderungen erwähnt: Energiekrise, Klimawandel, Hunger, Demografischer Wandel, Flüchtingsströme (“Einwanderungsdruck”) sowie steigende Arbeitslosigkeit.

Zweitausendfünf – das ist (für mich) lange her. Ich habe den Talk mittlerweile mehrfach gesehen und bin jedes Mal aufs Neue beeindruckt, welche Voraussicht bereits zu dieser Zeit vorhanden war.

Arbeitsfrei

Besonders die Utopie Vollbeschäftigung brachte mich wieder zurück zu einem weiteren Eintrag in meiner Leseliste: Arbeitsfrei von Constanze Kurz und abermals Frank Rieger beschäftigt sich mit den Auswirkungen der fortschreitenden Automatisierung, Verdatung und Digitalisierung der Wirtschaft sowie der Menschen im Einzelnen als auch der Gesellschaft als Ganzem.

Wie auch schon Datenfresser kann man Arbeitsfrei nahezu jedem in die Hand geben, der halbwegs komplexe Zusammenhänge in Beziehung setzen kann – Fachwissen ist zum Verständnis der Aussage der Autoren nicht nötig.

So nähert man sich im ersten Teil des Buchs Schritt für Schritt dem heutigen Stand der Automatisierung an – anhand des Entstehungsprozesses eines Brotes. Sehr anschaulich, alltagstauglich und doch deckt der Produktionsprozess einen guten Teil der (klassischen) deutschen Wirtschaft ab.

Nachdem man vom Bauernhof über Mähdräscherproduktion und moderne Großmühlen bis zur Transportlogistik von heute geführt wird, gehen die Autoren anschließend auf die Zukunft der Arbeit ein: Selbstfahrende Autos, Roboter und Drohnen sind einige der angesprochenen Thehmen. Gegen Ende der Kapitel wird immer wieder resümiert, welche gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen durch die Automatisierung im jeweiligen Teilbereich zu erwarten sind.

Grundtenor: Arbeit, die von Maschinen erledigt werden kann, sollte und wird in absehbarer Zeit von Maschinen erledigt werden.

So gipfelt man schließlich in einer Kritik am heutigen Bildungssystem: Absolventen werden “auf ihre Ersetzbarkeit hin” trainiert. Arbeitsfrei stellt die Frage danach, wie unsere Gesellschaft damit umgehen soll, dass im Zweifelsfall eher früher als später nicht mehr genug Arbeit vorhanden sein wird, um beispielsweise unser Sozialsystem, das im Moment großteils auf Steuern auf bzw. Renten aus Erwerbsarbeit basiert, zu erhalten.

Fazit

Wenn es nicht schon vorher der Fall war, so erhöht sich die Frustration mit Blick auf das politische Geschehen in Deutschland mit jeder Minute, die man sich mit den oben genannten Publikationen beschäftigt.

Politikverdrossenheit ist nicht erst seit dem selbst eingeschlagenen Weg der Piratenpartei in Richtung Bedeutungslosigkeit ein Thema – und doch sind meine Gedanken dazu oft unstrukturiert, undeutlich, diffus.

Es lässt sich oft schwer in Worte fassen, wenn man gefragt wird, was denn an der Politik, die wir Tag für Tag erleben ertragen, so stört. Für mich ist es die offensichtlich bewusste Verdrängung, das absichtliche Totschweigen und Verschieben der Themen, die ich eingangs angesprochen habe. Wir erleben, wie gewisse PolitikerInnen ohne irgendetwas zu versprechen, ohne eine Vision, ohne auch nur das kleinste Bisschen Programm mehrere Legislaturperioden im Bundestag sitzen und dieses Land langsam aber sicher gegen die Wand fahren.

Umso trauriger ist es, dass sich mit einigen der nunmehr Ex-Piraten Menschen aus diesem System verabschieden zurückziehen, die es richtig gemacht oder gemeint haben.

Cory Doctorow: ‘Little Brother’

Cory Doctorows Little Brother wurde mir bereits kurz nach der Veröffentlichung 2008 geschenkt, ich habe es damals jedoch als den Versuch meiner Verwandschaft abgetan, einem 13-jährigen Kind, das permanent vor dem Computer saß, passende Lektüre zu schenken.

Nun habe ich es endlich gelesen: Auch wenn ich die vorgestellten Technologien in der Zwischenzeit nicht nur kennengelernt habe sondern teilweise sogar zur Anwendung brachte bzw. bringen musste(!?), hat mich das Buch auf eine Art und Weise gepackt, wie kaum ein anderes in den letzten Jahren.

Ich konnte mich direkt mit Marcus identifizieren, genauso kam mir die Situation (Department of Homeland Security eskaliert nach einem Terroranschlag in San Francisco) seltsam vertraut vor (hust). Die Rahmenhandlung (Aufwachsen & Jugend im 21. Jahrhundert, Marcus Beziehung mit Angie, etc.) hat mich während der letzten drei Tage nicht losgelassen und war definitiv eine Motivation zum Weiterlesen.

Zugegeben: Little Brother war eines der wenigen Bücher, das ich ohne irgendwelche Schulfächer im Hintergrund gelesen habe. Ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändert. An dieser Stelle vielen Dank an @yuize für den (vllt. etwas rüpelhaften) Wachrüttler ;)